Kiefergelenksdiagnostik/ggf. -therapie

Als eines der kompliziertesten Systeme in unserem Körper ist der Kauapparat über Nerven und Muskeln eng mit dem Kopf und Gehirn, Wirbelsäule und manchen Organen verbunden. Das einwandfreie Funktionieren setzt sowohl eine Harmonie der Gelenkbewegungen als auch das exakte Zusammenwirken der umgebenden Strukturen voraus. Funktionsstörungen im Kausystem können deshalb Probleme in anderen Bereichen des Organismus verursachen und umgekehrt.

Mögliche Symptome sind Verspannungen bzw. Schmerzen im Bereich der Kaumuskeln, des Nackens und/oder des Rückens, Knack- und Reibegeräusche des Kiefergelenks, eingeschränkte Mundöffnung, Kopf- und/oder Zahnschmerzen, Zungenimpressionen, Zähneknirschen/-pressen, Tinnitus etc.

All das können Anzeichen einer Craniomandibulären Dysfunktion (CMD) sein: Unter diesem Begriff werden verschiedene Krankheitsbilder im Bereich des Kopfes (Cranium) und des Unterkiefers (Mandibula) zusammengefasst.

Meist wird eine Funktionsstörung nicht durch einen einzelnen, sondern durch mehrere Faktoren verursacht, die das Kausystem unterschiedlich stark beeinträchtigen. Ziel unserer Diagnostik bei latenten Kiefergelenkserkrankungen ist daher zu ermitteln, welche Faktoren die Beschwerden auslösen.

Prinzipiell unterscheidet man bei der Kiefergelenkdiagnostik zwischen „manueller“ (klinischer) und „instrumenteller“ Funktionsanalyse. Beide Maßnahmen dienen zur Feststellung von Funktionsstörungen des Kiefergelenks, welche muskulärer, neurogener oder arthrogener Art sein können. 

Bei der manuellen Funktionsanalyse werden die Kiefergelenke und Muskeln über spezielle Abtasttechniken und Bewegungsabläufe auf ihre (korrekte) Wirkungsweise untersucht. Evtl. versteckte Störungen und Fehlfunktionen werden so aufgedeckt und können bei der kieferorthopädischen Behandlung entsprechend berücksichtigt werden. Überdies wird ein Augenmerk auf eine verstärkte Abnutzung einzelner Zähne, zu hohe prothetische Versorgungen etc. gelegt.

In unserer Praxis bieten wir Ihnen die sog. Manuelle Strukturanalyse nach Prof. Dr. Bumann als fortschrittliche Untersuchungsmethode ohne apparativen Aufwand (und Röntgenuntersuchungen), ein Verfahren, auf das wir spezialisiert sind.

Es hat sich bewährt, die manuelle Funktionsanalyse vor Beginn jeder kieferorthopädischen Therapie durchzuführen. Außerdem ist sie kurz vor Behandlungsende sinnvoll. Dadurch kann abgeklärt werden, ob die evtl. zu Behandlungsbeginn vorliegenden Störungen behoben werden konnten. Ferner wird – z. B. durch Einschleifmaßnahmen – sichergestellt, dass zum Abschluss der Behandlung eine perfekte Verzahnung unter Ruhe und unter Bewegung (statische und dynamische Okklusion) vorliegt.

Fehlen diese Informationen bezüglich der Kiefergelenkverhältnisse, so sind Überbelastungen des Kausystems, evtl. bedingt durch die kieferorthopädische Therapie, möglich.  

Zusätzliche Informationen liefert die instrumentelle Funktionsanalyse. Hierbei wird mittels eines Vermessungsbogens (sog. Gesichtsbogen) die Lage des Oberkiefers zur Schädelbasis und zu den Kiefergelenken festgelegt. Anschließend werden die Kiefermodelle mit einem speziellen Bissregistrat aus Wachs, Silikon o. ä. entsprechend in einen Gelenksimulator (Artikulator) eingebaut, der die Kau- und Gleitbewegungen der Kiefer nachahmt. So können Früh- oder Fehlkontakte der Zähne und ggf. daraus resultierende Fehlbelastungen der Kiefergelenke ermittelt werden, welche bei der einfachen klinischen Untersuchung nicht immer auffallen. Gerade in der Erwachsenentherapie sollte diese Analyseform angewandt werden, da bereits minimale Veränderungen im Bereich der Zahnstellung oft große Auswirkungen auf das Kiefergelenk haben können.

Wurden behandlungsbedürftige Funktionsstörungen im Rahmen der Kiefergelenksdiagnostik festgestellt, so können diese durch Einsetzen eines Aqualizers (einer mit Wasserpolstern versehenen Sofort-Hilfe-Schiene zur Entlastung des Kiefers), durch eine Schienentherapie (gut bei Knirschen und Pressen bzw. zur Bestimmung der korrekten/therapeutischen Unterkieferlage), durch Anleitungen zu Massageübungen, durch Einschleifen oder kieferorthopädische Maßnahmen etc. positiv beeinflusst werden. 

Oft ist eine Zusammenarbeit mit einem Physiotherapeuten/Osteopathen sinnvoll.